kopf

              

Zukunftsvisionen

Organisatorische und technische Voraussetzungen für ein Neues Naturkunde­museum

Lage und Erreichbarkeit:
Das Naturkundemuseum erfüllt einen beachtlichen Bildungsauftrag. Deshalb bilden Schulklassen sowie in Begleitung kommende Kinder und Jugendliche einen erheblichen Anteil unter den Besuchern. Um für diesen Besucherkreis leicht und bequem erreichbar zu sein, ist eine Lage am Innenstadtring bzw. in der Nähe von Stationen des zukünftigen City-Tunnels von großem Vorteil. Je weiter ein Neues Naturkundemuseum vom Innenstadtring entfernt liegt, desto unwirtschaftlicher wird sein Betrieb.
Außerdem werden auch immer wieder gern Führungen ins Stadtgrün, insbesondere den Leipziger Auwald gebucht. Bei schönem Wetter finden die Führungen dann hier statt, bei Regenwetter im Naturkundemuseum. Deshalb ist eine Lage nahe der größeren Parkanlagen und des Leipziger Auwalds erforderlich.

Unterbringung der Sammlungen:
Der überwiegende Teil der biologischen Sammlungen besteht aus organischem Material. Für seine Unterbringung muss die Gefahr der Vernässung absolut ausgeschlossen werden. Brandschutzsysteme sollten deshalb möglichst ohne Wasser löschen.
Aber auch die Unterbringung von Magazin- und Ausstellungsräumen für zoologische oder botanische Präparate unter Straßenniveau birgt ein erhöhtes Risiko der Zerstörung wertvollster, zum Teil unwiederbringlicher Kulturgüter. Mahnende Beispiele für einen solchen GAU in Museen, die man bis zu diesem Zeitpunkt für absolut unmöglich und ausgeschlossen hielt, gibt es leider genug.

Ein trauriges Beispiel ereignete sich am im Übersee-Museum in Bremen. In der Nacht vom 18. zum 19. September 2007  riss ein Rohr unter der Straße vor dem Museum und setzte den Keller des Museums in einigen Bereichen bis 1,70 m unter Wasser. Das Wasser konnte wegen der Versiegelung nicht nach oben zur Straße durchbrechen und suchte sich unterirdisch einen Ausweg. Das Wasser fand einen Schornsteinschacht als Schwachpunkt und trat mit solchem Druck in das Heizhaus ein, dass sich der Boden hob.
Als der Schaden am Morgen entdeckt wurde, standen 8.500 m² unter Wasser. Neun Stunden hat es gedauert, bis das mit Schlamm vermischte Wasser aus den weit verzweigten Kellerräumen gepumpt war. Als sie nach einigen Stunden das erste mal in die Magazine durften, bot sich den Mitarbeitern des Museums ein trauriges Bild. Wertvolle Skelette seltener Tiere lagen am Boden, teilweise beschädigt, mit Wasser vollgesogen und mit Schlamm bedeckt.Die Sammlung von Fellen von ca. 800 Tieren verriet schon durch ihren modrigen Geruch, dass auch sie in Mitleidenschaft gezogen war. Mit über 378 Geräten einer Spezialfirma, welche teilweise aus Hamburg und aus Belgien per Express angeliefert worden waren, wurde der Keller getrocknet.
Obwohl die besonders schlimm betroffenen Exponate bei minus 23 Grad eingefroren wurden, folgte ein jahrelanger Kampf gegen Schimmelbefall. Um Schimmelbildung zu verhindern, wurden die Präparate mit Chemikalien benebelt. Zwei zusätzlich eingestellte Personen hatten die Aufgabe mit einem Spezialsauger die Schimmelsporen von den Fellen zu beseitigen. Der personelle und finanzielle Aufwand zur Minderung der Schäden war enorm, doch viele Schäden sind auch irreversibel.
 
Die schmerzhafte Lehre, die die Mitarbeiter des Übersee-Museums Bremen aus dieser Tragödie gezogen haben, lautet: Nie wieder organisches Sammlungsmaterial unter Straßenniveau zu lagern! Spätestens nach dem unerwarteten Wasserschaden im Stadtgeschichtlichen Museum nach einem Unwetter am 14.09.2011 sollte man für einen verantwortungsvollen Umgang mit den Sammlungen des Naturkundemuseums das ehemalige, im Keller mit Wasser gefüllte Bowlingzentrum nicht mehr als Option für ein künftiges Naturkundemuseum betrachten!

Raumhöhe und Beleuchtung:
Um eine Ausstellung optimal gestalten zu können, sollte die Raumhöhe mindestens 3 Meter, optimal um die 4 Meter betragen. In Räumen unter 3 Meter Höhe wirkt eine Austellung erdrückend. Vor allem aber für ein gutes Beleuchtungskonzept ist eine ausreichende Raumhöhe notwendig. Vor allem bei Dioramen und Lebensraumvitrinen benötigen die Leuchtmittel einen möglichst großen Abstand. Nur wenn dieser vorhanden ist, kann man hier bei geschicktem Einsatz das Gefühl einer größeren Raumtiefe, bzw. bei Dioramen den Eindruck eines fließenden Überganges zwischen präpariertem Vordergrund und gezeichnetem Hintergrund bewirken.
In der großen Halle des Bowlingzentrums ist die Raumhöhe unter und auf der rundläufigen Balustrade mit 2 bis 2,2 Metern Höhe erdrückend niedrig. Für ein zukünftiges Naturkundemuseum müsste sie komplett abgerissen werden, was die verfügbare Ausstellungsfläche nachteilig verringert.
Da Licht, vor allem UV-Licht, Sammlungsstücke aus organischem Material mit der Zeit ausbleicht, ist bei den Leuchtmitteln darauf zu achten, dass möglichst UV-freie Leuchtmittel eingesetzt werden. Am besten sind Leuchtmittel, die dem Tageslicht nahe kommen, aber nicht im kurzwelligen (blauvioletten) und UV-Lichtbereich leuchten.
Außerdem sollte die Beleuchtung durch Bewegungsmelder so gesteuert werden, dass sie nur eingeschaltet ist, wenn sich Besucher in dem entsprechenden Bereich befinden. So wird garantiert, dass die wertvollen Ausstellungsobjekte nicht mehr als nötig beleuchtet werden.

Klimatisierung:
Die Temperatur- und Luftfeuchteschwankungen im bisherigen Museumsgebäude wirkten sich schädigend auf die Dermoplastiken aus. Durch den Wechsel zwischen Quellung und Schrumpfung erhielten die Häute teilweise schwer reparierbare Risse. Aus diesem Grund sollten in einem neuen Naturkundemuseum die Ausstellungs- und Magazinräume klimatisierbar sein. Für den Bereich der Wirbeltierpräparate ist dabei eine konstante Luftfeuchte von ca. 60% bei konstanter Temperatur anzustreben. Für Sammlungen (Magazinräume) der Wirbellosen- und botanischen Sammlungen ist eine möglichst niedrige Luftfeuchte  vorteilhaft.

Schädlingsvorbeugung:
Organisches Sammlungsmaterial ist durch Schädlingbefall gefährdet. Je kühler die Raumtemperatur, desto geringer sind die Vermehrungsmöglichkeiten für Schadinsekten.  Zudem können luftdichte Magazinräume bei Schädlingsbefall begiftet und bei Feuer wasserfrei gelöscht werden. Für alle Magazinräume ist deshalb eine gute Abdichtung von Zuleitungen und Zugängen notwendig.