Vogelpräparation
am Beispiel eines Kolkraben
Nach dem Auftauen werden die wissenschaftlichen Daten (Gewicht,
Schnabel-, Flügel-, Lauf-, Schwanz- und Gesamtlänge)
erhoben.
Als erstes wird die Haut vom Brustbein bis zum After geöffnet.
Anschließend wird sie vom Brustbein her nach den Seiten vom
Fleischkörper abgezogen und die Beine freigelegt. Sie werden
am Kniegelenk durchtrennt.
Die Unterschenkel werden von Muskulatur und Sehnen befreit. Zum Binden
von Flüssigkeiten wird Kartoffelstärkemehl
eingestreut.
Nun erfolgt die Abtrennung des Schwanzes vor dem letzten Schwanzwirbel.
Anschließend werden die Flügelansätze
analog den Beinen freigelegt und im Gelenk abgetrennt.
Besondere Sorgfalt muss beim Abziehen des Halses und der Kopfregion
erfolgen.
Beim Freilegen des Kopfes dürfen die Augenlider nicht
beschädigt werden.
Nach dem Abtrennen des Schädels vom Hals wird der
Schädel von organischer Weichsubstanz befreit.
Wichtig ist, dass die Haut am Schnabelansatz fest am Schädel
verbleibt. Die Haut des Vogels muss vollständig von Muskel-,
Bindegewebs- und Fettresten befreit werden, damit Schadinsekten keine
Nahrungsgrundlage finden.
Anschließend werden Haut und Federn gründlich
gewaschen. Insbesondere auch Blutreste an ehemaligen Wunden
müssen beseitigt werden.
Besonders stark verschmutzte Stellen werden mit Seife gereinigt. Die
gesamte Vogelhaut wird in einem Imprägnierbad gegen
Schadinsektenbefall behandelt.
Der Vogel, insbesondere die Federn werden nun zuerst zwischen
Handtüchern grob und anschließend im warmen
Luftstrom (Fön) getrocknet.
Dabei werden die Federn mit einer kleinen Bürste aufgelockert,
damit die Warmluft sie optimal trocknen kann, ohne dass die Haut
austrocknet.
Für den Halsersatz wird auf eine Drahtspindel Viskosewatte
aufgewickelt und mit Faden fixiert.
Der Körper wird aus Polyurethanhartschaum nachgebildet.
Die Schädelhöhle wird mit Ton gefüllt und der Hals mit Drahtschlingen fest montiert.
Die ehemalige Muskulatur wird mit Ton nachmoduliert und Glasaugen eingesetzt. Dabei ist besondere Präzission notwendig.
Nach dem zurückstülpen wird die Kopfhaut gerichtet und die Augenpartie nachmodelliert.
Bestimmte Partien (Bsp. Wange rechts) werden mit Watte unterlegt, damit die Haut beim Trocknen nicht einfällt.
Anschließend werden Kopfhaut und Federn im Warmluftstrom gerichtet.
Mit Fingerspitzengefühl werden Drähte entlang der
Flügelknochen bis in die Handschwinge geführt und fixiert.
Ebenso werden sie durch Umwickeln am Oberarmknochen befestigt.
Die entfernte Muskulatur wird mit Watte bzw. Hanffasern aufgefüllt.
Nun werden die Fußsohlen eröffnet und die Sehnen aus dem Bein gezogen.
Anstelle der Sehnen wird nun ein Stützdraht in das Bein
eingeführt und ebenfalls die entfernte Muskulatur mit Watte
nachgebildet.
Nachdem alle Extremitäten fertig verdrahtet sind werden die
Drähte in den vorbereiteten Hartschaumkörper geführt.
Zuerst werden dabei Kopf/Hals und Schultern fixiert und grob gerichtet.
Anschließend folgen Beine und Schwanz. Spezielle Übergänge werden mit Acryl ausgeglichen.
Nun wird der ursprüngliche Körperschnitt vom After aus
reisverschlussartig zugenäht, wobei die Haut immer von innen nach
außen durchstochen wird.
Der Vogel wird mit seinen Stützdrähten auf einer entsprechenden Unterlage (Steinimmitat) befestigt.
Zum Abschluss wird er mit feinen Nadeln in seiner Zielform feinjustiert und darf nun lagsam und allmählich trocknen.

Drei Wochen später ist das Präparat soweit getrocknet, dass
die Nadeln und Stützstreifen entfernt werden und es sich in voller
Schönheit präsentiert.
